Strukturtreffen 2019 der Initiative Queer_Feminismus

Das diesjährige Strukturtreffen der Initiative Queer_Feminismus fand anlässlich des Ruhr CSD in Essen statt. Übernachtet wurde im Center Hotel, was nicht weit von unserem Tagungsort, der Aidshilfe Essen, entfernt war.

Unser Thema: „Aktivismus in Zeiten steigender Gleichberechtigung – Alles schon getan?“. Außer uns mit dieser Fragestellung auseinanderzusetzen, war das Ziel, Pläne und Vorstellungen unserer Initiative fürs nächste Jahr zusammenzutragen und das neue Koordinationsteam zu wählen.

Am Freitagabend sind nach und nach alle eingetrudelt. Unsere Gruppe war mit zwölf Teilnehmer*innen sehr überschaubar und man war direkt in angeregte Gespräche eingebunden. Nach einer kleinen Vorstellungsrunde mit lustigen Fragen zum Auflockern waren dann unsere ersten zwei Gäste da.

Nicole Seyffert, Gleichstellungs- und Inklusionsbeauftragte der Stadt Duisburg, und Joachim Müller, Ansprechpartner für LGBTQ der Stadt Duisburg, gaben uns einen Einblick in ihre Arbeit auf kommunaler Ebene. Die Geschichten und Probleme, auf die man in diesem Bereich stößt, waren sehr spannend — angefangen bei Intoleranz und Ablehnung bei Mitarbeiter*innen bis hin zum Mangel an finanzieller Unterstützung und Bezuschussung. Auf der anderen Seite haben wir festgestellt, dass viel erreicht werden kann, wenn es offizielle Anlaufstellen in größeren Städten gibt. Neue LGBTQ Gruppen oder Entgegenwirken bei Diskriminierung am Arbeitsplatz sind Beispiele für Angelegenheiten, bei denen unsere Referent*innen geholfen haben. Den Abend haben wir entspannt ausklingen lassen mit einem gemeinsamen Abendessen bei „sattgrün“.

Samstag war der Hauptseminartag mit eigener Ideenentwicklung und dem Besuch des Ruhr CSD. Vormittags haben wir mit allen zusammen Vorschläge für Seminarthemen gesammelt und überlegt, in welche Richtung man gehen könnte. Popfeminismus, queer sein in ländlichen Regionen, Bildungsarbeit zum Thema LGBTQ und Sexarbeit sind nur einige Beispiele, die wir diskutiert haben. Spätestens zu dem Zeitpunkt war dann allen klar: die Frage „Alles schon getan?“ muss mit nein beantwortet werden! Zu wenig Angebote und zu wenig Sichtbarkeit ist gerade in ländlichen Regionen ein Problem. Auch aus bildungspolitischer Sicht ist längst nicht alles getan; beim Großteil unserer Gruppe wurden queere Themen in der Schule nicht angesprochen oder direkt abgetan. Auch bezüglich des Feminismus taten sich Fragen auf. Was bedeutet Feminismus heute und wer ist alles feministisch? Gerade bei kontroversen Themen wie Sexarbeit scheiden sich die Geister.

Nach dem Brainstorming wurde es Zeit, uns zum CSD aufzumachen — ausgestattet mit kurzzeitigem Regenbogentattoo, Regenbogensocken oder was man sich sonst so vorstellen kann. Wir sind zum Kennedy-Platz gegangen und haben dabei zugeschaut, wie der Demonstrationszug angekommen ist. Der diesjährige CSD stand unter dem Motto „50 Jahre Stonewall — Be proud, stay free“, um an den ersten Protest von LGBTQ 1969 in New York zu erinnern, der sich gegen die damalige Polizeigewalt richtete. Für alle, die noch nicht wissen, woher der Christopher Street Day seinen Namen hat: In der Christopher Street liegt das Stonewall Inn, damals schon eine Gay Bar. Dort fingen in der Nacht vom 28. Juni 1969 anlässlich einer Polizeirazzia die Widerstände und Proteste an und werden als Wendepunkt im Gay Rights Movement gesehen, sowohl in den USA als auch im Rest der Welt.

Über den Tag verteilt gab es die ganze Zeit Bühnenprogramm unterschiedlicher Art. Der Oberbürgermeister Thomas Kufen hat eine kurze Eingangsrede gehalten, als der Demonstrationszug am Kennedy-Platz eingetroffen ist. Zwischendrin begleiteten verschiedene Künstler*innen den CSD, beispielsweise Janine MarX mit deutschen Popschlagertiteln. Nachmittags fand ein Polittalk statt, bei dem von allen großen Parteien (außer der AfD) Vertreter*innen anwesend waren und darüber diskutiert haben, was noch getan werden muss.

Angeregt vom Polittalk haben wir nachmittags in zwei Kleingruppen konkret zwei Seminarideen mit mehr Details geplant, nachdem wir aus unserer Liste von Vorschlägen durch Abstimmung ausgesucht haben, welche zwei Themen wir genauer behandeln wollen. Einerseits ist das ein Soft Skills Seminar zum Umgang mit Diskriminierung und allgemeinen Konflikten am Arbeitsplatz, wobei sich Fragen stellen wie „Wo fängt Diskriminierung an?“ und „Wie verhalte mich im Idealfall?“ Andererseits ist uns, wie oben bereits kurz angesprochen, der Bereich Bildung und Aufklärung sehr wichtig, weshalb es ein weiteres Seminar zum Thema sexuelle Aufklärung in der Schule geben soll. Andere Länder sind Deutschland weit voraus und es ist auffällig, wie häufig Wörter wie schwul noch als Schimpfwort fallen. Nach einem Tag voller Input, Brainstorming und Planung haben wir den Abend gemütlich mit einem Abendessen im Restaurant „Mr. Nam 68“ beendet.

Für Sonntag stand noch die Wahl des neuen Koordinationsteams und ein weiterer Referent aus. Roman Röhl, Lina Stens und Emily Ewers lösen Svenja Blömeke, Juri Kahlert und Noemi Hehl ab, außerdem bleibt Niklas Hambücker dabei. Ihr findet uns auch hier. Roman studiert in Köln Rechtswissenschaften und organisiert jedes Jahr für die Kölner FDP und die JuLis Köln den CSD. Er möchte gerne die Themen „Diversity in der Arbeitswelt“ und „Queer_Feminismus im Alter“ einbringen. Lina beginnt in Bonn demnächst ihren Master in Psychologie; ihre Herzensthemen sind Chancengleichheit und Diversität. Emily studiert in Dortmund Statistik. Besonders möchte sie sich mit der Veränderung des Feminismus über die letzten Jahrzehnte und dem Umgang im Alltag mit Themen aus dem Queer_Feminismus Bereich auseinandersetzen.

Mittags bekamen wir Besuch von Dietrich Dettmann. Er ist Hauptorganisator des Ruhr CSDs und engagiert sich auch in diesem Vorstand. Von ihm haben wir viel über die Organisation und die ehrenamtliche Arbeit erfahren, die hinter dem CSD steckt. Interessant war zum Beispiel, dass sich das Publikum und die Demographie der Teilnehmer*innen verändert haben und damit auch die Atmosphäre des CSD. Dem Hauptorganisator ist es wichtig, dass die Pride Veranstaltungen nicht zu reinen Partys mit Anlass zum Alkoholkonsum werden, sondern dass auch den Jugendlichen bewusst ist, dass der Christopher Street Day ursprünglich eine Protestveranstaltung ist.

Abgeschlossen haben wir das Strukturtreffen mit dem Vorstellen der Seminarideen vor der anderen Kleingruppe. Wir haben noch Vorschläge geteilt und freuen uns auf die Umsetzung der Seminare!

Emily Ewers stv. für die Initiative Queer_Feminismus

Beyond Binary – Gesellschaftliche und medizinische Herausforderungen aktueller Gender-Politik

25.-27. Januar 2019 in der Theodor-Heuss-Akademie

Beyond Binary, ein Kooperationsseminar der Initiativen Queer_Feminismus und Gesundheitspolitik, wurde von Svenja Blömeke, Carolina Torres-Lopez, Juri Kahlert, Niklas Hambücker und Noemi Hehl in Zusammenarbeit mit Martin Thoma aus der THA organisiert. Erfreulicherweise war das Seminar mit knapp vierzig Teilnehmer_innen komplett ausgebucht.

Nachdem Martin Thoma und die beiden Seminarleiterinnen Svenja und Carolina am Freitagabend alle Seminarteilnehmer_innen begrüßt hatten, begann eine Vorstellungsrunde der etwas anderen Art, sodass sich die ungewöhnlich vielen Teilnehmer über die übliche „Name-Studiengang-Stipendiat seit…“-Runde hinweg kennen lernen konnten. Im Anschluss hatten die Teilnehmer_innen die Gelegenheit ihre Fragen an das Seminar zu notieren und sie an eine Stellwand zu heften, sodass alle Fragen über das Seminar hinweg in Erinnerung bleiben und so Beachtung finden konnten. Die Teilnehmer_innen zeigten sich sehr interessiert und motiviert und verfassten zahlreiche Fragen zu unterschiedlichsten Aspekten. Im Verlauf des Seminars gingen mehrere Referent_innen explizit auf einige der Fragen ein, nachdem sie sie auf der Stellwand gelesen hatten.

Der Freitagabend endete mit zwei einführenden Vorträgen: Juri übernahm zunächst eine grundlegende Begriffserklärung und stellte die Begriffe binäres Geschlechtssystem, Heteronormativität, queer, Intergeschlechtlichkeit/Intersexualität, Transsexualität/Transgeschlechtlichkeit und Pathologisierung vor. Dabei konnten bereits einige der zuvor notierten Fragen geklärt werden. Felix Engelhart hielt anschließend einen Vortrag zur der Frage „Was ist Geschlecht?“. Dabei hob er hervor, dass es sich bei dem gesellschaftlich vorherrschenden binären Geschlechterverständnis lediglich um ein Modell handele und verwies auf die bekannten Schwächen eines Modells. Er betonte zudem, dass Geschlecht ein mehrdimensionales Konstrukt aus physisch, psychischen und sozialen Aspekten ist. Zur Veranschaulichung zeigte er die Darstellung des „Genderbread Man“ und ließ die Teilnehmer zum Selbsttest über die dort dargestellten Dimensionen nachdenken. Im zweiten Teil des Vortrags konzentrierte er sich auf die sozialen Dimension von Geschlecht und ging dabei auf die Bedeutung von Konformität, normativen Verhaltens und Geschlechtsstereotypen ein. An Felix‘ Vortrag schloss sich eine Diskussion an.

Der Samstag begann nach dem Frühstück mit der medizinischen Perspektive auf das Thema Geschlecht mit dem Vortrag von Frau Dr. Andrea Kindler-Röhrborn vom Institut für Pathologie der Universität Duisburg Essen zu dem Thema biologisches und psychosoziales Geschlecht. Dr. Kindler-Röhrborn erklärte, dass Unterschiede zwischen den Geschlechtern Mann und Frau nicht nur in Bezug auf die Anatomie bestehen, sondern auch in Bezug auf Aminosäuren, die Aktivität bestimmter Gene im Gehirn und Geschlechtschromosomen. Tatsächlich haben Männer genetisch gesehen mehr mit männlichen Menschenaffen und Frauen mehr mit weiblichen Menschenaffen gemein, als mit dem jeweils anderen Geschlecht. Durch diese biologischen Unterschiede, aber auch wegen Differenzen im Lifestyle, also der Ernährung, dem Beruf oder dem Lebensstil, können Männer und Frauen auf verschiedene Weise von Krankheiten betroffen sein. Unterschiede können sich im Auftreten der Krankheiten, bei der Pahthophysiologie, beim Erkrankungsalter, den Symptomen, dem Therapieansprechen und der Mortalität ergeben. Dr. Kindler-Röhrborn berichtete auch von ihrer eigenen Forschung mit Rattenarten, die unterschiedlich resistent gegenüber Tumoren sind. Nach der Kreuzung beider Arten zeigt sich deutlich, dass die männlichen Tiere, auch wenn sie mehr Gene der resistenten Art haben, deutlich anfälliger für die Krankheit sind, als die weiblichen Tiere, deren Genkombination vergleichbar sind.

Nach ihrem Vortrag beantwortete Dr. Kindler-Röhrborn Fragen aus dem Publikum, beispielsweise wie sie die Bedeutung der Gendermedizin in Zukunft einschätzt, wenn sich die Entwicklungen zu einer stark personenbezogenen Medizin fortsetzten. Dr. Kindler-Röhrborn betonte, dass gerade auch in einer auf das Individuum abgestimmten Medizin, zunächst die Bestimmung des Geschlechts und der damit einhergehenden Merkmale von großer Bedeutung sein wird.

Als zweiten Programmpunkt des Tages beschäftigte sich Prof. Dr. Claudia Hornberg  vom Kompetenzzentrum Frauen und Gesundheit der Universität Bielefeld in ihrem Vortrag mit der sozialen Dimension des Geschlechts. Prof. Hornberg erläuterte, dass Geschlecht, da es sozial konstruiert ist, auch einer zeitlichen Wandlung unterliegt. Das binäre Geschlechtssystem entstand im 18. Jahrhundert und prägt unsere Gesellschaft bis heute. Die Zuschreibung eines Geschlechts bei der Begegnung mit Menschen ist laut Prof. Hornberg für viele soziale Gruppen ein starkes Bedürfnis. Sie stellte zudem den Ansatz der Intersektionalität vor, der die Verflechtung von Kategorien sozialer Ungleichheit untersucht. Diese Kategorien sind neben Geschlecht beispielsweise auch die soziale Schicht oder Herkunft einer Person.

Im dritten Vortrag des Tages erläuterte Prof. Konstanze Plett von der Universität Bremen die Änderung des Personenstandsrechts, die Ende letzten Jahres auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Vorjahr folgte. Prof. Plett war Mitverfasserin der Verfassungsbeschwerde, die letztlich zu der Gesetzesänderung führte. Seit dem 22.12.2018 ist es nun möglich außer männlich, weiblich und keiner Geschlechtseintragung, „divers“ in die Geburtsurkunde und somit auch das Personenregister eintragen zu lassen. Allerdings ist dies nur möglich, so erklärte Plett, wenn das Geschlecht des Kindes nicht eindeutig feststellbar ist. Plett gab dem Publikum einen historischen Überblick über die Entwicklung der Geschlechtseintragungen in Deutschland und wies dabei darauf hin, dass die Regelungen im Preußischen Allgemeinen Landrecht von 1794 bereits einmal sehr liberal waren. Auch stellte sie dar, dass bereits im Jahr 2000 ein Antrag auf die Eintragung des Geschlechts „zwittrig“ gestellt worden war, der dann aber in 2. Instanz abgebrochen werden musste. Auf eine Frage aus dem Publikum erklärte Plett, wie es zu der Entscheidung für den Begriff „divers“ kam. Ein Sammelbegriff war aus verwaltungstechnischen Gründen erwünscht, um eine einheitliche Eintragung zu ermöglichen. Dennoch ist es möglich auf Wunsch neben dem Begriff „divers“ eine weitere Bezeichnung in das Personenregister eintragen zu lassen. Nachdem die Begriffe „andere“ bzw. „weitere“ in einer Umfrage im Verein für Intersexuelle Menschen abgelehnt wurden, setzte sich „divers“ durch.

Im Anschluss an die Vorträge hatten die Seminarteilnehmer_innen den Rest des Samstagnachmittags Zeit eines der Themen, in einem der vier angebotenen Workshops zu vertiefen. Die Ergebnisse aus den Workshops wurden am Sonntagmorgen vorgestellt und diskutiert.

Beim Kaminabend nach dem Abendessen beantworteten Robin Hendrik Fedrowitz und Jamie Rehm von queerbeet, der queeren Jugendgruppe in Augsburg, die Fragen der Teilnehmer_innen zum Thema Transgender. Beide sind Transmänner und sprachen offen über die zahlreichen Fragen, die sie aus dem Publikum erhielten. Die Teilnehmer_innen erlangten so einen direkten Einblick in Themen wie geschlechtsangleichende Operationen, Hormonbehandlungen, Umgang der Familien mit Transgeschlechtlichkeit und therapeutische Begleitung von Transmenschen.

(v.l.) Robin Hendrik Fedrowitz, Noemi Hehl und Jamie Rehm beim Kaminabend zum Thema Transgeschlechtlichkeit kaminabendbeyondbinary

Das Seminar endete mit einem Einblick in die politische Perspektive, den Hartmut Hanke, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Abgeordnetenbüro Jens Brandenburgs bot. Hanke berichtete von der Arbeit der FDP Bundestagsfraktion zum Thema LSBTI und zeigte dabei deutlich den Einsatz der FDP Bundestagsfraktion für die Rechte von queeren Menschen. Er berichtete neben dem Gesetz zum Dritten Geschlecht von weiteren Gesetzen, die queere Menschen benachteiligen und um deren Änderung bzw. Abschaffung die FDP Bundestagsfraktion bemüht ist. Darunter fällt zum Beispiel die Reform des Transsexuellengesetzes, um eine Ungleichbehandlung von Inter- und Transpersonen im Hinblick auf das Personenstandsrecht aufzuheben. Außerdem berichtete er, dass die Entschädigung von Opfern des §175 StGB, der homosexuellen Sex kriminalisierte und aufgrund dessen unzählige homosexuelle Menschen verurteilt wurden, ganz oben auf der Agenda stand.

In einer abschließenden Feedbackrunde sprachen die Teilnehmer_innen größtenteils positives Feedback aus, weshalb wir sehr zufrieden mit unserem Seminar sind und uns auf die Organisation weiterer Seminare freuen.

Noemi Hehl stv. für die Initiative Queer_Feminismus

Erstes Strukturtreffen der neuen Initiative Queer_Feminismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Eine Veranstaltung der Initiative Queer_Feminismus in Zusammenarbeit mit dem Regionalbüro Wiesbaden

Am letzten Maiwochenende trafen sich etwa 20 Stipendiat_innen der Friedrich-Naumann-Stiftung in Mainz und hielten das erste Strukturtreffen der Initiative Queer_Feminismus ab. Ziel war es, sowohl eine Einführung in das Thema Queer_Feminismus zu bekommen, Ideen für weitere Seminare zu schmieden und neue Koordinator_innen festzulegen.

Die Teilnehmenden übernachteten entweder privat oder in der schönen Rhein-Main-Jugendherberge direkt am Rhein. Nach der Ankunft in der Herberge trafen sich alle in der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz in einem Arbeitsraum, der für das Wochenende angemietet wurde.

Eine erste Runde ermöglichte es allen, sich mit Namen vorzustellen und informell kennenzulernen. Viele Teilnehmende kamen speziell wegen dem Thema des Seminars, andere interessierte es aktiv zu werden und bei der Initiative mitzumachen.

Im Anschluss hielt Yana Prinsloo einen Vortrag zum Thema Queer Theory. Prinsloo ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Film-, Theater- und empirische Kulturwissenschaften an der Universität Mainz.

In ihrem Vortrag sprach sie darüber, wie sich die Gesellschaft und führende Persönlichkeiten gegen Sexismus solidarisieren und brachte dabei als Beispiel die #metoo-Debatte an.

Dann brachte sie als Idee an, dass es gesellschaftlich konstruierte Differenzen gebe, die sich direkt auf unser Handeln auswirken würden. Solle dann laut Prinsloo nicht die Kunst auch diese Differenzen hinterfragen? Als Beispiel könnte hierfür Conchita Wurst angebracht werden. Der Nachname „Wurst“ spielt auf das Idiom „Wurst wo du herkommst, Wurst wer du bist“ an und kritisiert den Zuordnungsdrang auf die binäre Geschlechtsidentität. Eine rege Diskussion mit der Referentin schloss sich an den Vortrag an.

Der Samstag begann mit einer interessanten Stadtführung durch die Innenstadt von Mainz und schloss mit einem Mittagessen ab.

Nach dem Mittagessen kam der wichtigste Teil des Strukturtreffens: die Abstimmung über neue Seminarideen.

Das Ziel war, in Kleingruppen ein Brainstorming zu den Themen durchzuführen. Zunächst wurde aber in der Gruppe diskutiert, welche Prioritäten die Initiative im Jahr 2018 und 2019 verfolgen soll. Einig waren sich alle Teilnehmenden, dass sich die Initiative innerhalb der Stiftung prominenter positionieren soll und besonders das Thema Feminismus aus liberaler Sicht besetzen soll. Auch eine Kooperation mit anderen Arbeitskreisen und Initiativen ist vorgesehen.

Folgende Ideen wurden in den Kleingruppen erarbeitet:
• queer_feministische Startups
• Beziehung von Gender, Sex und Medizin
• Beziehung zwischen Zionismus, Religion und Gender
• Ein weiteres Grundlagenseminar mit Fokus auf Begrifflichkeiten
• Ein Seminar zum Erstellen von einem Positionspapier
• Queer East (inkl. Besuch einer LGBT-Veranstaltung in Osteuropa bspw. in Kiew, Bratislava)
• Homosexualität/Gender und Sozialismus
• Queer Disney, Rollenbilder und Diskriminierung
• Queer Music
• Pride und Drag-Culture

Aus den oben genannten Ideen haben wir in einer zweiten Runde drei konkrete Ideen formuliert, die wir im nächsten Jahr angehen wollen.

Gender – Sex – Medizin
Gibt es eine gendergerechte Medizin? Wie wurden und werden Medikamente entwickelt und an welchen Personen werden sie getestet? Welche Individualisierungstrends gibt es in der modernen Therapie?

Weiterhin soll das Thema der Geschlechteranpassungen näher betrachtet werden und über die Missstände bei den Geschlechtszuschreibungen Neugeborener gesprochen werden.

Grundlagen 2.0/Begriffe
Es soll angestrebt werden, einen Zeitslot in den Grundlagenseminaren zu bekommen und sich mit Liberalismus und Feminismus auseinanderzusetzen. Eine Kooperation mit der Initiative für einen „Liberalen Feminismus“ ist ebenfalls angedacht.

Queer Disney
Ein Wochenendseminar in der Theodor-Heuss-Akademie: Da Disney-Filme die Kindheit von vielen Menschen geprägt haben, sollen die darin vorkommenden Rollenverständnisse und Klischees besonders untersucht werden. Ein weiterer Teil des Seminars widmet sich dem Vergleich zwischen älteren und neueren Disney-Filmen. Das Wochenendseminar zu Queer Disney war das am detailliertesten definierte Seminar und soll möglichst bald durchgeführt werden.

Nach den Ideen für neue Seminarideen wurden die neuen Koordinator_innen gewählt. Die neuen Koordinator_innen sind Noemi Hehl, Juri Kahlert, Niklas Hambücker und Svenja Bloemke. Diese lösen nun Paul Biesold, Boris Kagan, Michael Klipphahn und Roxana Fiebig ab.

Svenja Bloemke studiert im Master Lehr- und Forschungslogopädie in Aachen. Ihr ist ein modernes Verständnis von Feminismus wichtig. Deshalb möchte sie Formate unterstützen, in denen man sich gemeinsam mit der Sensibilisierung und praktischen Umsetzung dieser Thematik beschäftigen kann.

Niklas Hambücker studiert Jura in Köln. Er möchte offenen Dialog in der Stiftung zu den Kernaspekten der Initiative fördern und mehr Stipendiat_innen dazu bewegen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen.

Juri Kahlert studiert Gymnasiallehramt in Leipzig. Er möchte sich für das Thema Queer_Feminismus einsetzen, damit in der FNF ein moderner Gender- und Queerdiskurs etabliert wird.

Noemi Hehl studiert ebenfalls Gymnasiallehramt in Augsburg. Für sie ist es das erste Mal, dass sie eine Initiative leitet und möchte mit den anderen Koordinator_innen das Randthema mehr in den Fokus zu rücken.

Am Abend wurde der US-Amerikanische Dokumentarfilm „Paris is Burning“ gezeigt. Er zeigt Ausschnitte und Probleme der Ballroom Culture in New York der 1980er Jahre. An den Film schloss sich eine Diskussion über die Themen des Films an.

Danach fuhr die ganze Gruppe zum Rhein und ließ den Abend mit Grill und kühlen Getränken ausklingen.

Für den letzten Inputvortrag am Sonntag wurde Sandy Artuso eingeladen. Sie ist Dokorandin zum Thema deutschsprachiger Autobiografien von Trans*Menschen. Artuso ging in ihrem Vortrag auf die historische Dimension von Feminismus ein und stellte einige Literaturempfehlungen vor. Sie erklärte den Unterschied zwischen den verschiedenen Wellen/ Waves des Feminismus – die erste Welle, die für das Frauenwahlrecht kämpften und die zweite Welle, die für die sexuelle Liberalisierung während der Studentenbewegungen eintrat und das Konzept der Intersektionalität einführte. Auf den Vortrag folgte eine rege Diskussion mit den Teilnehmenden.

Zum Schluss gab es ein Feedback von den Teilnehmenden und eine abschließende Diskussion.

Zusammenfassend war das Strukturtreffen ein Erfolg. Es wurden interessante Seminarkonzepte entwickelt und ein neues und engagiertes Team gewählt, dass sicherlich viele gute Projekte durchführen wird!

Boris Kagan stv. Initiative Queer_Feminismus

Die „Konservierung” der Frau* – Rechtspopulistische und nationalkonservative Frauen*bilder heute

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Eine Veranstaltung der Initiative Feminismus in Zusammenarbeit mit dem Regionalbüro Mitteldeutschland

am 16.-17.12.2017 in Halle

Das rechtsnationale und nationalkonservative Frauen*bilder oft gesellschaftlich tradierten Vorstellungen entsprechen, ist wenig überraschend. Denn sie dienen dem Anliegen, Frauen* in ihren angeblich „angestammten Rollen” zu halten. Zur Verbreitung dieser vermeintlich „weiblichen* Werte”, trägt nicht zuletzt die massive Medienpräsenz populistischer Parteien und Interessengruppen bei. Aus diesem Grunde ist es unabdingbar, gängige weibliche* Rollenklischees in Gesellschaft und Politik zu hinterfragen sowie Aspekten der Geschlechtergerechtigkeit im Angesicht aufkommender nationalistischer Strömungen in Europa kritisch nachzugehen. Schwerpunktmäßig ging es dabei im Zuge unseres Seminars beispielsweise um die Debatten bzgl. des Abtreibungsverbotes in Polen und die Situation weiblicher* Geflüchteter in Deutschland. Auch betrachteten wir Geschlechterperspektiven und -rollen anhand der Historie der rechtlichen Stellung der Frau* in Deutschland. Zu diesem Thema sprach zu Beginn Dr.in Katrin Kappler, Rechtswissenschaftlerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Deutsches, Europäisches und Internationales Öffentliches Recht an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, wo sie zu „Verfolgungen wegen der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität als Verbrechen gegen die Menschlichkeit” promovierte. Außerdem ist sie Mitbegründerin und Organisatorin des Forums Legal Gender Studies in Halle und forscht insbesondere im nationalen und internationalen Antidiskriminierungsrecht. Derzeit ist sie Rechtsreferendarin im Oberlandesgericht Dresden. Der sehr informative und äußerst sachliche Vortrag stieß Diskussionen über die Rolle des Geschlechts in der Rechtsprechung vor allem in Deutschland an, welche sich bis weit in die Mittagszeit erstreckten. Nach einem kurzen Mittagessen widmeten wir uns dann in einem impulsvortrag durch den Koordinator Michael Klipphahn in einem Exkurs dem Frauen*bild der Alt-Right in Amerika. Der Vortrag umfasste das Studium eines Handouts über die Entwicklung konservativer hin zu rechtsnationalen Strömungen in den USA der letzten Jahre, das Hören eines Podcasts der Huffington Post über die Frauen* der Alt-Right und ein Video über die rechtsnationale „American Renaissance“, welches ein Interview zwischen Lana Lokteff  (Co-host vom rechtsnationalen Red Ice TV) und Samuel Jared Taylor (Amerikanischer Nationalist und weißer Suprematist) zeigt und das Thema „Fascist Femininity“ oder auch „Lipstick Facism“ behandelt. Im Anschluss wurde in Gruppen über das Frauen*- und Minderheitenbild aber auch über die Inszenierung stereotyper Weiblichkeit zum Zwecke der politischen Manipulation in Deutschland und Frankreich gesprochen. Unsere Koordinatorin Roxana Fiebig übernahm dabei die Vorbereitung und Recherche zum Front National in Frankreich und beleuchtete damit auch das Vorgehen und die Rollen von Marine und Marion Maréchal-Le Pen als Frauen* in diesem Kontext. Unser Koordinator Paul Biesold konzentrierte sich auf die Rolle der AfD in Deutschland, in diesem Zusammenhang wurden auch deren revisionistische Positionen zu den Themen Frühsexualisierung, Gleichstellung von nicht heteronormativen Lebensmodellen und Familie thematisiert, auch Gender- und Minderheitenbashing, Rassismus, Chauvinismus und Problematiken einhergehend mit Maskulinismus wurden besprochen. Die generellen Familien- und geschlechterpolitischen Positionen der AfD und des FN warfen Fragen und Sorgen auf, die eine lange und intensive Diskussion nach sich zogen. Im Fahrwasser des Sprechens über die neue Rechte in Deutschland schien es uns unumgänglich nochmals auf das Erstarken des Nazismus in den 1930er Jahren, die Zeit des Nationalsozialismus von 1933-45 und die Folgen für Frauen und Minderheiten in und nach dieser Zeit zu verweisen. Zu diesem Zweck sahen wir die Dokumentation von Renata Schmidtkunz „Das Weiterleben der Ruth Klüger”. Ruth Klüger, 1931 in Wien geboren, wurde als Kind in die Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau und Christianstadt verschleppt. Nach Ausbruch und Flucht mit ihrer Mutter und Pflegeschwester emigrierte sie in die USA, studierte Germanistik und Anglistik und lebt als Literaturwissenschaftlerin in Irvine/Kalifornien und ist nach Selbstdefinition Feministin. Mit ihrer ersten literarischen Veröffentlichung, „weiter leben“ fand Ruth Klüger überwältigendes Echo bei Kritik und Publikum. Das Buch thematisiert schonungslos ihre Kindheit in den verschiedenen Konzentrationslagern.

Am folgenden Tag widmeten wir uns der Situation Geflüchteter weiblicher Personen in Deutschland und der aktuellen Lage der Frau* in Polen. Edda Schwarzkopf, Stipendiatin der FNF sprach in ihrem Vortrag „Weiblichkeit* im Fluchtprozess entwickeln und bewahren“ über ihr* Praktikum in einer Unterkunft für Geflüchtete und Jun.-Prof.in Dr.in Anna Artwinska, seit dem Wintersemester 2016/2017 Juniorprofessorin für Slawistische Literaturwissenschaft und Kulturstudien an der Universität Leipzig sprach in ihrem Vortrag „Underground women’s state: Feminismus in Polen im 21. Jahrhundert“ in der Hauptsache über die aktuelle Abtreibungsdebatte in Polen, deren historische Determiniertheit, das Erwachsen der Frage aus dem Umbruch von Sozialismus zu Kapitalismus und die unterschiedlichen Standpunkte der einzelnen feministischen Bewegungen in Polen dazu.

Einladung zum Seminar „Die ‚Konservierung‘ der Frau* – Rechtspopulistische und nationalkonservative Frauen*bilder heute“

Liebe Stipendiatinnen und Stipendiaten, liebe Neuabonnent_innen unseres Newsletter, wir, die Initiative Feminismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, laden Euch ganz herzlich zu unserem Seminar am 16. und 17. Dezember nach Halle ein.
Zum Inhalt:
Das rechtsnationale und nationalkonservative Frauen*bilder oft gesellschaftlich tradierten Bildern entsprechen, ist wenig überraschend. Denn sie dienen dem Anliegen, Frauen* in ihren angeblich „angestammten Rollen” zu halten. Zur Verbreitung dieser vermeintlich „weiblichen* Werte”, trägt nicht zuletzt die massive Medienpräsens populistischer Parteien und Interessengruppen bei.
Aus diesem Grunde ist es unabdingbar, gängige weibliche* Rollenklischees in Gesellschaft und Politik zu hinterfragen sowie Aspekte der Geschlechtergerechtigkeit im Angesicht aufkommender nationalistischer Strömungen in Europa kritisch nachzugehen.
Schwerpunktmäßig geht es dabei im Zuge unseres Seminars beispielsweise um die Debatten bzgl. des Abtreibungsverbotes in Polen und die Situation weiblicher* Geflüchteter in Deutschland. Auch betrachten wir Geschlechterperspektiven und -rollen anhand einer historischen Darstellung der rechtlichen Stellung der Frau* in Deutschland.
Der Teilnahmebeitrag für unsere Veranstaltung beträgt 30€. Für Stipendiatinnen und Stipendiaten der FNF werden die Fahrtkosten wie gewohnt erstattet. Das Seminar ist für 10-15 Personen ausgelegt. Alles Weitere entnehmt bitte dem Seminarplan im Anhang:
IF-Seminar. Die „Konservierung der Frau
Wir freuen uns, Euch am dritten Adventswochenende in den Räumen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zu begrüßen und wünschen bis dahin eine entspannte Zeit. Bitte meldet euch bis zum 01.12.2017 per Mail an feminismus@stipendiat.org bei uns an!
Herzliche Grüße,
die Initiative Feminismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Zusammenlegung der Initiative Feminismus mit der Queer Initiative

Bei dem diesjährigen Konvent der Stipendiat_innen der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit wurde im stipendiatischen Plenum am 22.09.2017 der Zusammenschluss der Queer Initiative und der Initiative Feminismus unter dem neuen Namen Initiative Queer_Feminismus, Kurzform Q_F, zum 01.01.2018 — einstimmig, mit einer Enthaltung — beschlossen.

Bereits im Vorfeld hatten sich beide Initiativen an die Begabtenförderung der Stiftung gewandt und am 15. September eine gemeinsame Erklärung über den geplanten Zusammenschluss abgegeben. Aufgrund einer beinahe deckungsgleichen thematischen Ausrichtung beider Initiativen ist eine Zusammenführung nur sinnvoll. Die Initiative Queer_Feminismus möchte gesellschaftlich tradierte und reproduzierte Geschlechterrollen hinterfragen und aufbrechen, um allen Geschlechtern, in ihren Nuancen und Ausprägungen gleichermaßen eine freie Entfaltung zu ermöglichen. Denn eine liberale Gesellschaft zeichnet sich vor allem auch durch die freie und ungezwungene Wahl und Ausgestaltung des Geschlechts jede_r und jede_s Einzelnen aus.

Ab dem 01.01.2018 werden sämtliche Strukturtreffen, Seminar- und Tagungsangebote sowie öffentliche Auftritte durch den neuen Koordinationskreis unter Paul Biesold, Roxana Fiebig, Boris Kagan sowie Michael Klipphahn organisiert, betreut und durchgeführt.

Frauen*rollen und Kunst – Tagesveranstaltung/Symposium in Dresden Eine Veranstaltung der Initiative Feminismus und des Arbeitskreises Kultur am 29.08.2017

12:30-14:30 Besuch der Diplomausstellung des Studiengangs Bildende Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Dresden inkl. Einführung durch die Kuratorin der HfBK Dresden Susanne Greinke, M.A.

Begonnen hat unsere Tagesveranstaltung mit einer Einführung in die kuratorische Praxis der Dresdner Kunsthochschule (HfBK Dresden) durch die Kuratorin der HfBK Susanne Greinke. Anschließend konnte sich jeder selbst ein Bild über den aktuellen künstlerischen Nachwuchs machen, der 2017 sein Studium der Bildenden Kunst formal abgeschlossen hat.

Die Arbeiten streiften Themen über sexuelle Freiheit und Emanzipation, über Gender und Diversität bis hin zu sozio-historische Themen, sei es beispielsweise in Recherchearbeiten oder klassischen Disziplinen der Bildenden Kunst, wie Malerei oder Zeichnung.

Wie kann es sein, dass gewisse Grundfragen des schöpferischen Tuns in jeder Studierendengeneration immer wieder gestellt werden? Wie lauten diese Grundfragen überhaupt? Es sind unter anderem jene nach dem Selbst: nach dem eigenen Körper, der Sexualität, der persönlichen Geschichte und dem gesellschaftlichen Umfeld, in das jedes Individuum eingewebt ist. Es sind aber auch die Urfragen des Kunstschaffens: wieviel ist Technik, was bedeutet das Handwerkliche im Kontext der Kunst, was ist Schönheit oder wie kann mein Leben als Künstler_in jenseits der Akademie in freier Praxis aussehen?
Bei der Diplomausstellung 2017 werden diese Fragen auffällig ernsthaft und unmittelbar gestellt.“

Auszug Pressetext zur Diplomausstellung HfBK Dresden 2017 von Susanne Greinke

 

15:00 -16:30 Besuch der Ausstellung: Frauen in Führung

Zeitraum der Kunstsammlung der Ostsächsischen Sparkasse Dresden inkl. Führung durch das stellvertretende Vorstandsmitglied der Ostsächischen Sparkasse Petra Freifrau von Crailsheim und den Kustos der Sammlung Moritz Stange

 Die großartige Führung und der gesamte Ausstellungsbesuch waren für uns eine sehr bereichernde Erfahrung. Denn die offene Beschäftigung mit den Kulturen des Geschlechts sollte heute zum Grundtenor eines jeden Unternehmens und zum Diskussionsinventar zukunftsorientierter und freier Gesellschaften gehören – der Zeitraum des OSD macht dort einen beachtenswert wichtigen Schritt. Spannend zu sehen war, wie an das Thema der Geschlechtergerechtigkeit individuell, den Erfahrungen der Einzelnen folgend und dabei frei von Ideologien herangegangen wird – und das von einem praktischen, den Realitäten entliehenen Standpunkt aus, der kritische und eigenverantwortliche Verweise nicht negiert.

Es ist nach unserer Auffassung für zeitgenössische Gesellschaftsformen, welche sich vor allem durch Bildung konstituieren, wichtig, Respekt, Toleranz und ein freies und mündiges Menschenbild zu vermitteln. Es ist großartig zu wissen, dass der Mut diesbezüglich Initiative zu ergreifen auch von Frauen* aus beispielsweise höheren unternehmerischen Ebenen kommt, die (sich) einen quasi postfeministischen Gesellschaftsstand (erarbeitet) haben und diesen auch für andere einfordern, dazu forschen (lassen) und diese Meinungen öffentlich machen. Für so ein Engagement sind wir dankbar, betrifft es doch auch unmittelbar unsere/nachfolgende Generation(en), ganz gleich ob im wirtschaftlichen oder wissenschaftlichen Sektor – es baut Hindernisse ab und ermöglicht Fortschritt durch Ideen und nicht durch Privilegien.

Mit vier Themen und ihren provokativen Überschriften beschäftigt sich die Ausstellung „Vielfalt in Führung“:

  • „Führung ist sexy“ Belastung und Druck vs. Freiheit und Gestaltungsmöglichkeiten. Der eigene Blickwinkel entscheidet, ob Führung als reizvoll empfunden wird. Wir sorgen mit Transparenz für Attraktivität – und räumen mit den Mythen über Führungspositionen auf.
  • „Männer* sind besser als Frauen*“ Sind sie nicht – sie sind in Führungspositionen nur in der Überzahl. Damit sich das ändern kann, brauchen wir mehr Bewerbungen von Frauen*. Motivation und Inspiration für diesen Schritt liefern wir in der Ausstellung „Vielfalt in Führung“.
  • „Karrierehindernis Kind“ Warum bedeuten Kinder überwiegend für Frauen* eine Karrierepause? Und: Wie erreichen wir ein erfülltes Berufs- und Familienleben für alle? Wir skizzieren Wege zu diesem Ziel.
  • „Von nichts kommt nichts“ In der Ostsächsischen Sparkasse Dresden gibt es jede Menge Möglichkeiten zur beruflichen Entwicklung – und jede Menge Unterstützung. Auf dem Weg nach oben ist allerdings auch Eigeninitiative gefragt. Ein besonderer Dialog über berufliche und persönliche Weiterentwicklung.

Beschreibung der Ausstellung durch die OSD

 

17:00-18:00 Besuch des Albertinums Dresden inkl. Führung mit Katrin Kruppa, M.A. durch die Sonderausstellung „Geniale Dilletanten“ mit dem Schwerpunkt auf weiblicher*, diverser und genderfluider Partizipation

 „Geniale Dilletanten“ – absichtlich falsch geschrieben mit Doppel-L und einem T, so hieß ein legendäres Subkultur-Festival im Berliner Tempodrom, das 1981 all die Bands und Künstle_innenr zusammenbrachte, die den Underground-Spirit Westberlins ausmachten. Über die künstlerische Wucht dieser Alternativszene hat das Münchner Haus der Kunst vor einigen Jahren eine Ausstellung organisiert, die jahrelang mit dem Goethe-Institut auf Welttournee war. Jetzt ist „“Geniale Dilettanten – Subkultur der 1980er-Jahre in West- und Ostdeutschland“ in Dresden zu sehen – und zwar um einen wesentlichen Teil erweitert: Um die Alternativ-Szene der 80er-Jahre im Osten.  Wir nahmen uns in unserer Führung durch Katrin Kruppa vor allem den weiblichen* und genderfluiden Positionen in der Ausstellung an, sei es das Künstler_innenkollektiv „Die Tödliche Doris“ oder die Frauen*band „Malaria“ in Westdeutschland oder beispielsweise die Künstlerin Christine Schlegel im Ostteil Deutschlands. Mit der nicht männlich*-heteronormative Partizipation schien in den subkulturellen Bereichen Westdeutschlands in den frühen 80ger Jahren mit einer anderen Selbstverständlichkeit umgegangen worden zu sein, als es in nachfolgenden Zeiten der Fall gewesen ist. Im in Frauen*fragen scheinbar emanzipierteren Osten, dessen Gesellschaft auch binärgeschlechtlich determiniert gewesen ist, der Frau* aber auch eine produktive Rolle im Arbeitswesen zudachte, war es eher die Wiedersetzung gegen Normen der herrschenden Klasse an sich, die eine vordergründige Rolle im subkulturellen Kontext spielte.

„Auf beiden Seiten der Mauer hatten seit dem Ende 70er-Jahre alternative Künstler_innen mit Provokationen für Aufsehen gesorgt. Dargestellt wird die alternative Szene anhand von Videos, Fotos, Hörbeispielen, Plattencovern, Magazinen, Plakaten, selbstgebauten Instrumenten und Bühnenrequisiten. Im Kontext der alternativen Musikszene werden zudem ausgewählte Bilder gezeigt. Bedingt durch die verschiedenen Gesellschaftssysteme unterschieden sich Motivation und Artikulation der Gegenkulturen auf beiden Seiten. In der Gegenüberstellung werden jedoch auch Parallelen und sogar grenzüberschreitende Berührungspunkte sichtbar.“

Auszug aus dem Pressetext des Albertinums Dresden zur Ausstellung

Michael Klipphahn i.A. IF der FNF