Erstes Strukturtreffen der neuen Initiative Queer_Feminismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Eine Veranstaltung der Initiative Queer_Feminismus in Zusammenarbeit mit dem Regionalbüro Wiesbaden

Am letzten Maiwochenende trafen sich etwa 20 Stipendiat_innen der Friedrich-Naumann-Stiftung in Mainz und hielten das erste Strukturtreffen der Initiative Queer_Feminismus ab. Ziel war es, sowohl eine Einführung in das Thema Queer_Feminismus zu bekommen, Ideen für weitere Seminare zu schmieden und neue Koordinator_innen festzulegen.

Die Teilnehmenden übernachteten entweder privat oder in der schönen Rhein-Main-Jugendherberge direkt am Rhein. Nach der Ankunft in der Herberge trafen sich alle in der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz in einem Arbeitsraum, der für das Wochenende angemietet wurde.

Eine erste Runde ermöglichte es allen, sich mit Namen vorzustellen und informell kennenzulernen. Viele Teilnehmende kamen speziell wegen dem Thema des Seminars, andere interessierte es aktiv zu werden und bei der Initiative mitzumachen.

Im Anschluss hielt Yana Prinsloo einen Vortrag zum Thema Queer Theory. Prinsloo ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Film-, Theater- und empirische Kulturwissenschaften an der Universität Mainz.

In ihrem Vortrag sprach sie darüber, wie sich die Gesellschaft und führende Persönlichkeiten gegen Sexismus solidarisieren und brachte dabei als Beispiel die #metoo-Debatte an.

Dann brachte sie als Idee an, dass es gesellschaftlich konstruierte Differenzen gebe, die sich direkt auf unser Handeln auswirken würden. Solle dann laut Prinsloo nicht die Kunst auch diese Differenzen hinterfragen? Als Beispiel könnte hierfür Conchita Wurst angebracht werden. Der Nachname „Wurst“ spielt auf das Idiom „Wurst wo du herkommst, Wurst wer du bist“ an und kritisiert den Zuordnungsdrang auf die binäre Geschlechtsidentität. Eine rege Diskussion mit der Referentin schloss sich an den Vortrag an.

Der Samstag begann mit einer interessanten Stadtführung durch die Innenstadt von Mainz und schloss mit einem Mittagessen ab.

Nach dem Mittagessen kam der wichtigste Teil des Strukturtreffens: die Abstimmung über neue Seminarideen.

Das Ziel war, in Kleingruppen ein Brainstorming zu den Themen durchzuführen. Zunächst wurde aber in der Gruppe diskutiert, welche Prioritäten die Initiative im Jahr 2018 und 2019 verfolgen soll. Einig waren sich alle Teilnehmenden, dass sich die Initiative innerhalb der Stiftung prominenter positionieren soll und besonders das Thema Feminismus aus liberaler Sicht besetzen soll. Auch eine Kooperation mit anderen Arbeitskreisen und Initiativen ist vorgesehen.

Folgende Ideen wurden in den Kleingruppen erarbeitet:
• queer_feministische Startups
• Beziehung von Gender, Sex und Medizin
• Beziehung zwischen Zionismus, Religion und Gender
• Ein weiteres Grundlagenseminar mit Fokus auf Begrifflichkeiten
• Ein Seminar zum Erstellen von einem Positionspapier
• Queer East (inkl. Besuch einer LGBT-Veranstaltung in Osteuropa bspw. in Kiew, Bratislava)
• Homosexualität/Gender und Sozialismus
• Queer Disney, Rollenbilder und Diskriminierung
• Queer Music
• Pride und Drag-Culture

Aus den oben genannten Ideen haben wir in einer zweiten Runde drei konkrete Ideen formuliert, die wir im nächsten Jahr angehen wollen.

Gender – Sex – Medizin
Gibt es eine gendergerechte Medizin? Wie wurden und werden Medikamente entwickelt und an welchen Personen werden sie getestet? Welche Individualisierungstrends gibt es in der modernen Therapie?

Weiterhin soll das Thema der Geschlechteranpassungen näher betrachtet werden und über die Missstände bei den Geschlechtszuschreibungen Neugeborener gesprochen werden.

Grundlagen 2.0/Begriffe
Es soll angestrebt werden, einen Zeitslot in den Grundlagenseminaren zu bekommen und sich mit Liberalismus und Feminismus auseinanderzusetzen. Eine Kooperation mit der Initiative für einen „Liberalen Feminismus“ ist ebenfalls angedacht.

Queer Disney
Ein Wochenendseminar in der Theodor-Heuss-Akademie: Da Disney-Filme die Kindheit von vielen Menschen geprägt haben, sollen die darin vorkommenden Rollenverständnisse und Klischees besonders untersucht werden. Ein weiterer Teil des Seminars widmet sich dem Vergleich zwischen älteren und neueren Disney-Filmen. Das Wochenendseminar zu Queer Disney war das am detailliertesten definierte Seminar und soll möglichst bald durchgeführt werden.

Nach den Ideen für neue Seminarideen wurden die neuen Koordinator_innen gewählt. Die neuen Koordinator_innen sind Noemi Hehl, Juri Kahlert, Niklas Hambücker und Svenja Bloemke. Diese lösen nun Paul Biesold, Boris Kagan, Michael Klipphahn und Roxana Fiebig ab.

Svenja Bloemke studiert im Master Lehr- und Forschungslogopädie in Aachen. Ihr ist ein modernes Verständnis von Feminismus wichtig. Deshalb möchte sie Formate unterstützen, in denen man sich gemeinsam mit der Sensibilisierung und praktischen Umsetzung dieser Thematik beschäftigen kann.

Niklas Hambücker studiert Jura in Köln. Er möchte offenen Dialog in der Stiftung zu den Kernaspekten der Initiative fördern und mehr Stipendiat_innen dazu bewegen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen.

Juri Kahlert studiert Gymnasiallehramt in Leipzig. Er möchte sich für das Thema Queer_Feminismus einsetzen, damit in der FNF ein moderner Gender- und Queerdiskurs etabliert wird.

Noemi Hehl studiert ebenfalls Gymnasiallehramt in Augsburg. Für sie ist es das erste Mal, dass sie eine Initiative leitet und möchte mit den anderen Koordinator_innen das Randthema mehr in den Fokus zu rücken.

Am Abend wurde der US-Amerikanische Dokumentarfilm „Paris is Burning“ gezeigt. Er zeigt Ausschnitte und Probleme der Ballroom Culture in New York der 1980er Jahre. An den Film schloss sich eine Diskussion über die Themen des Films an.

Danach fuhr die ganze Gruppe zum Rhein und ließ den Abend mit Grill und kühlen Getränken ausklingen.

Für den letzten Inputvortrag am Sonntag wurde Sandy Artuso eingeladen. Sie ist Dokorandin zum Thema deutschsprachiger Autobiografien von Trans*Menschen. Artuso ging in ihrem Vortrag auf die historische Dimension von Feminismus ein und stellte einige Literaturempfehlungen vor. Sie erklärte den Unterschied zwischen den verschiedenen Wellen/ Waves des Feminismus – die erste Welle, die für das Frauenwahlrecht kämpften und die zweite Welle, die für die sexuelle Liberalisierung während der Studentenbewegungen eintrat und das Konzept der Intersektionalität einführte. Auf den Vortrag folgte eine rege Diskussion mit den Teilnehmenden.

Zum Schluss gab es ein Feedback von den Teilnehmenden und eine abschließende Diskussion.

Zusammenfassend war das Strukturtreffen ein Erfolg. Es wurden interessante Seminarkonzepte entwickelt und ein neues und engagiertes Team gewählt, dass sicherlich viele gute Projekte durchführen wird!

Boris Kagan stv. Initiative Queer_Feminismus

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