Die „Konservierung” der Frau* – Rechtspopulistische und nationalkonservative Frauen*bilder heute

IMG_8900

Eine Veranstaltung der Initiative Feminismus in Zusammenarbeit mit dem Regionalbüro Mitteldeutschland

am 16.-17.12.2017 in Halle

Das rechtsnationale und nationalkonservative Frauen*bilder oft gesellschaftlich tradierten Vorstellungen entsprechen, ist wenig überraschend. Denn sie dienen dem Anliegen, Frauen* in ihren angeblich „angestammten Rollen” zu halten. Zur Verbreitung dieser vermeintlich „weiblichen* Werte”, trägt nicht zuletzt die massive Medienpräsenz populistischer Parteien und Interessengruppen bei. Aus diesem Grunde ist es unabdingbar, gängige weibliche* Rollenklischees in Gesellschaft und Politik zu hinterfragen sowie Aspekten der Geschlechtergerechtigkeit im Angesicht aufkommender nationalistischer Strömungen in Europa kritisch nachzugehen. Schwerpunktmäßig ging es dabei im Zuge unseres Seminars beispielsweise um die Debatten bzgl. des Abtreibungsverbotes in Polen und die Situation weiblicher* Geflüchteter in Deutschland. Auch betrachteten wir Geschlechterperspektiven und -rollen anhand der Historie der rechtlichen Stellung der Frau* in Deutschland. Zu diesem Thema sprach zu Beginn Dr.in Katrin Kappler, Rechtswissenschaftlerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Deutsches, Europäisches und Internationales Öffentliches Recht an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, wo sie zu „Verfolgungen wegen der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität als Verbrechen gegen die Menschlichkeit” promovierte. Außerdem ist sie Mitbegründerin und Organisatorin des Forums Legal Gender Studies in Halle und forscht insbesondere im nationalen und internationalen Antidiskriminierungsrecht. Derzeit ist sie Rechtsreferendarin im Oberlandesgericht Dresden. Der sehr informative und äußerst sachliche Vortrag stieß Diskussionen über die Rolle des Geschlechts in der Rechtsprechung vor allem in Deutschland an, welche sich bis weit in die Mittagszeit erstreckten. Nach einem kurzen Mittagessen widmeten wir uns dann in einem impulsvortrag durch den Koordinator Michael Klipphahn in einem Exkurs dem Frauen*bild der Alt-Right in Amerika. Der Vortrag umfasste das Studium eines Handouts über die Entwicklung konservativer hin zu rechtsnationalen Strömungen in den USA der letzten Jahre, das Hören eines Podcasts der Huffington Post über die Frauen* der Alt-Right und ein Video über die rechtsnationale „American Renaissance“, welches ein Interview zwischen Lana Lokteff  (Co-host vom rechtsnationalen Red Ice TV) und Samuel Jared Taylor (Amerikanischer Nationalist und weißer Suprematist) zeigt und das Thema „Fascist Femininity“ oder auch „Lipstick Facism“ behandelt. Im Anschluss wurde in Gruppen über das Frauen*- und Minderheitenbild aber auch über die Inszenierung stereotyper Weiblichkeit zum Zwecke der politischen Manipulation in Deutschland und Frankreich gesprochen. Unsere Koordinatorin Roxana Fiebig übernahm dabei die Vorbereitung und Recherche zum Front National in Frankreich und beleuchtete damit auch das Vorgehen und die Rollen von Marine und Marion Maréchal-Le Pen als Frauen* in diesem Kontext. Unser Koordinator Paul Biesold konzentrierte sich auf die Rolle der AfD in Deutschland, in diesem Zusammenhang wurden auch deren revisionistische Positionen zu den Themen Frühsexualisierung, Gleichstellung von nicht heteronormativen Lebensmodellen und Familie thematisiert, auch Gender- und Minderheitenbashing, Rassismus, Chauvinismus und Problematiken einhergehend mit Maskulinismus wurden besprochen. Die generellen Familien- und geschlechterpolitischen Positionen der AfD und des FN warfen Fragen und Sorgen auf, die eine lange und intensive Diskussion nach sich zogen. Im Fahrwasser des Sprechens über die neue Rechte in Deutschland schien es uns unumgänglich nochmals auf das Erstarken des Nazismus in den 1930er Jahren, die Zeit des Nationalsozialismus von 1933-45 und die Folgen für Frauen und Minderheiten in und nach dieser Zeit zu verweisen. Zu diesem Zweck sahen wir die Dokumentation von Renata Schmidtkunz „Das Weiterleben der Ruth Klüger”. Ruth Klüger, 1931 in Wien geboren, wurde als Kind in die Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau und Christianstadt verschleppt. Nach Ausbruch und Flucht mit ihrer Mutter und Pflegeschwester emigrierte sie in die USA, studierte Germanistik und Anglistik und lebt als Literaturwissenschaftlerin in Irvine/Kalifornien und ist nach Selbstdefinition Feministin. Mit ihrer ersten literarischen Veröffentlichung, „weiter leben“ fand Ruth Klüger überwältigendes Echo bei Kritik und Publikum. Das Buch thematisiert schonungslos ihre Kindheit in den verschiedenen Konzentrationslagern.

Am folgenden Tag widmeten wir uns der Situation Geflüchteter weiblicher Personen in Deutschland und der aktuellen Lage der Frau* in Polen. Edda Schwarzkopf, Stipendiatin der FNF sprach in ihrem Vortrag „Weiblichkeit* im Fluchtprozess entwickeln und bewahren“ über ihr* Praktikum in einer Unterkunft für Geflüchtete und Jun.-Prof.in Dr.in Anna Artwinska, seit dem Wintersemester 2016/2017 Juniorprofessorin für Slawistische Literaturwissenschaft und Kulturstudien an der Universität Leipzig sprach in ihrem Vortrag „Underground women’s state: Feminismus in Polen im 21. Jahrhundert“ in der Hauptsache über die aktuelle Abtreibungsdebatte in Polen, deren historische Determiniertheit, das Erwachsen der Frage aus dem Umbruch von Sozialismus zu Kapitalismus und die unterschiedlichen Standpunkte der einzelnen feministischen Bewegungen in Polen dazu.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.