Strukturtreffen: Herr_Innen? Medialitäten eines liberalen Feminismus

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Das Seminar „Herr_Innen“, welches sich als Einführung in die Thematik des Feminismus heute versteht und sich mit den Medialitäten eines zeitgenössichen Feminismus beschäftigen soll, fand vom 23.-25.6. im Truman Haus in Potsdam statt. Konkret ging es dabei um die Thematisierung von Gleichstellungsfragen in Film, Musik, Kunst und Literatur sowie das Thema „Gender(n) interdependent und Sprache“.

Am ersten Abend nahmen alle an dem durch den VSA organisierten Get-Together mit (Alt-)Aktiven in Berlin teil. Neben dem obligatorischen Netzwerken haben wir versucht für unsere Sache, also den Feminismus und für unsere Initiative zu werben und neue Mitglieder zu gewinnen.

Richtig los ging es am nächsten Tag zunächst mit einer Diskussion über „Thesen eines liberalen Feminismus“. Alle Teilnehmer_innen, ob sie sich als Feminist_innen verorten oder nicht, waren sich einig, dass Feminismus viele wichtige Themen abdeckt (Geschlechtervielfalt, Gleichberechtigung, Chancengleichheit, usw.), wie genau sich ein liberaler Feminismus jedoch positionieren sollte (eventuell durch Bildung und Wirtschaft als Hebel) und ob dieser Zusatz wirklich so relevant ist, blieb offen.

Anschließend starteten wir in die Thematik der Medialitäten eines „liberalen“ Feminismus mit einem Auszug aus Elfriede Jelineks Buch „Lust“, vorgestellt von unserem Koordinator Michael Klipphahn. Nachdem wir uns die Rezension des Literarische Quartetts (von 1989) zu Jelineks Buch angesehen haben, waren viele schockiert, wie emotional und persönlich angegriffen Marcel Reich-Ranicki, Jürgen Busche, Hellmuth Karasek wirkten, während Sigrid Löffler – als einzige Frau* der Runde, wie durch die Männer* häufig hervorgehoben wurde – versuchte den künstlerischen, politischen, gesellschaftlichen und vor allem feministsichen Wert des Buches hervorzuheben. Wenn Ihr Euch eine eigene Meinung bilden wollt, hier der Link zum Video:

Literarisches Quartett über „Lust“

 

Nach dem Mittagessen ging es weiter mit einem recht komplexen Thema, unser Koordinator Paul Biesold stellte uns nämlich die Grundgedanken zu einer feministischen Popmusikanalyse vor, welche die Frage über feministischer Musik nicht mit dem Inhalt der Liedtexte beantwortetet, sondern die Möglichkeit eines autarken feministischen Klangs ins Spiel bringt. Als Beispiele der Gegenüberstellung dienten uns unter anderem „Smells Like Teen Spirit“ von Kurt Cobain und „I Just Can`t Get You Out Of My Head“ von Kylie Minouge.

Sehr aufwühlend war der gemeinsam angeschaute Film „Mustang“ aus dem Jahre 2015 von der Regisseurin Deniz Gamze Ergüven, den uns Zin Nakam als nächste Koordinatorin vorstellte. Ich möchte hier nicht dessen Inhalt erläutern, empfehle ihn aber herzlichst – er besteht auch den Bechdel-Test!

mustang film

Den Tag schloss ein sehr spannender und persönlicher Einblick in die Welt der feministischen Kunst ab, den uns Susan Donath ermöglichte. Sie ist Dozentin an der TU Dresden für Kunstpädagogik und Bildende Künstlerin und außerdem auch Vertrauensdozentin der FNF. Frau Donath stellte uns einige ihrer Werke vor und erläuterte diese, besonders im Gedächtnis geblieben ist mir da ihr Vorhaben, Schneewittchen (als Plastik) in einem Sarg wahrhaftig zu beerdigen. Sehr zu denken gab mir auch ihre persönliche Geschichte, die gezeigt hat, dass es Frauen* schwerer haben, sich auf dem durch Männer dominierten Kunstmarkt durchzusetzen. Auch die teilweise vorhandene Unvereinbarkeit von Mutterschaft und Beruf wurde intensiv besprochen.

Am nächsten Morgen wurde unser Seminar durch einen Vortrag zum Thema „Gender(n) interdependent und Sprache“ abgerundet, der uns wohl doch mit reichlich Fragen im Kopf zurückließ. Jana van Wahden (MA Soziokulturelle Studien mit den Schwerpunkten Politics of Gender/Sexuality, Wissensproduktion, Migrationsregime) hielt für uns viele Gedankenanregungen bereit, um zunächst ein Bewusstsein dafür zu schaffen, welch wichtiges Machtinstrument Sprache ist – z.B. in Hinblick auf Identitätsstiftung und Abgrenzung und es deswegen auch nicht so unreflektiert benutzt werden sollte, wie es derzeit nicht nur im alltäglichen, sondern auch im wissenschaftlichen Kontext der Fall ist.

Alles in Allem glaube ich, dass die Teilnehmer_innen zufrieden mit dem Seminar und mit vielen neuen Fragen und einem erweiterten Horizont nach Hause gegangen sind, was ja eigentlich alles ist, was man von so einem Wochenende erwarten kann. Wir bedanken uns für die tollen Diskussionsrunden und die anregende Mitarbeit!

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Jetzt folgt noch eine kurze Ankündigung unserer nächsten Veranstaltung, die im Herbst im Regionalbüro Mitteldeutschland stattfinden wird, nämlich „Die Konservierung der Frau“. Es wird bei diesem Seminar um Rechtspopulismus und das Frauenbild in diesem politischen Kontext gehen, tradierte Frauenbilder sollen hinterfragt werden. „Die Konservierung der Frau“ zielt dabei also auf die Rollenklischees des Konservativismus ab und behandelt die Frage der Geschlechtergerechtigkeit im Angesicht aufkommender nationalistischer Strömungen in Europa. Schwerpunktmäßig geht es dabei beispielsweise um die Abtreibungs-Debatte in Polen oder das Minderheitenbild nationaler Parteien, sei es hierzulande oder beispielsweise in etatistischen Staaten wie Frankreich oder autoritär geführten Staaten wie Russland oder Ungarn.

Wir freuen uns auf Euch!

 

Roxana Fiebig, Koordinatorin der Initiative Feminismus der FNF

 

 

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